SERVIOR setzt sich auch zu diesem Thema ein, welches zu oft tabuisiert wird

Mentale Gesundheit: wissen, wie man mit Senioren darüber spricht

Selbstmord bei älteren Menschen bleibt ein wahrhaftiges Tabu. Dennoch zeigen Studien, dass die Versuchung, sich das Leben zu nehmen, in der Altersgruppe der über 75-Jährigen hoch ist. Sie ist sogar höher als unter den Jüngeren, von denen man fälschlicherweise glaubt, dass sie die ersten sind, die von dieser morbiden Versuchung betroffen sind.

Das Thema Selbstmord ist daher sehr wichtig, wenn man über die psychische Gesundheit älterer Menschen spricht. Dies wird daher logischerweise im Rahmen der Woche der psychischen Gesundheit, die zwischen dem 3. und 10. Oktober geplant ist, thematisiert werden. Dieses von der Ligue Luxembourgeoise d’Hygiène Mentale (LLHM) und ihres Centre d’information et de prévention („Informations- und Präventionsstelle“) organisierte Event wird auch trotz der Covid-Krise stattfinden. In „Semaine de la santé mentale 2.0“ („Woche der psychischen Gesundheit 2.0“) umbenannt, wird ein im Wesentlichen virtuelles, aber sehr umfassendes Programm angeboten: Online-Schulungen, Video-Wettbewerbe, kommentiertes Video-Konzert und weitere Überraschungen.

Den Tod herbeiwünschen… oder um Hilfe rufen

Sacha Bachim
Sacha Bachim

Sacha Bachim, Psychologe und Psychotherapeut bei der LLHM, möchte die Vision ändern, die das hohe Alter automatisch mit dem Ende des Lebens verbindet, wobei der Wunsch, dass das Leben enden würde, als logisch oder normal betrachtet wird.… sogar wenn das Schicksaal manchmal voreilig herbeigeführt wird. „Wenn man es für normal hält, dass ein älterer Mensch seinen Wunsch zum Ausdruck bringt, das Lebensende kommen zu sehen, wird nichts unternommen, um dieser Person zu helfen. Manchmal handelt es sich jedoch nur um ein Unwohlsein, das von vorübergehender Natur sein kann. Es gibt Behandlungen und Unterstützung. Man kann emotionale Erkrankungszustände sehr gut in den Griff bekommen, zum Beispiel durch eine medikamentöse Behandlung. Psychotherapie kann ebenfalls sehr effektiv sein, auch in einem sehr fortgeschrittenen Alter.“

Die Angst vor dem Psychiater

Die Warnzeichen sind vielfältig. Die betroffene Person kann sich isolieren, einen depressiven Zustand aufweisen, aufhören, sich zu ernähren, keine Lust mehr haben, morgens aufzustehen.…“Wenn es eine Änderung in der Verhaltensweise der älteren Person gibt, sollte man nicht zögern, dem Hausarzt davon zu berichten. Er ist die erste Vertrauensperson. Die Angehörigen können jedoch in diesem Bereich ein gewisses Unbehagen empfinden. Und wenn wir über psychische Gesundheit reden, reden wir über den Psychologen oder den Psychiater.… die missbräuchlich als “ Spezialisten für Verrückte“ betrachtet werden! Was man hervorstreichen muss: dass es nie zu spät ist, sich von kompetenten Leuten helfen zu lassen.“.

Selbst in den Heimen lauert die Isolation

Die Versuchung ist groß, eine Verschlechterung des körperlichen Zustands mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit zu verbinden. Die Verbindung existiert, ist aber nicht absolut. „Schmerz wird nicht von allen gleichermaßen empfunden“, erklärt Sacha Bachim. „Auch ähnliche Krankheiten können zu einem völlig anderen körperlichen Gefühl führen. Und moralisch ist es dasselbe.“ Wie ist es mit dem Leben im Altersheim? „Es schafft soziale Bindungen… aber es kann auch paradoxerweise zur Isolation führen. Und die Covid-19-Krise hat einige Schäden hinterlassen“, stellt Sacha Bachim fest. „Positiv ist, dass die Leitung und das Personal heute dafür sensibilisiert sind, wie wichtig psychische Gesundheit und ihre Betreuung ist. Sie wissen, dass man manchmal auch im Heim gegen die Isolation ankämpfen muss.“

Ein ständiges Thema bei SERVIOR

Xavier Thiéry
Xavier Thiéry

Xavier Thiéry, Leiter der SERVIOR Residenz Beim Klouschter in Howald, ist um so offener für diese Thematik, da er bereits mit der Ligue und der Gemeinde von Hesperingen an den vorigen Wochen der mentalen Gesundheit beteiligt war. Auch in diesem Jahr wird trotz der abgeänderten Form wieder eine Ergotherapeutin des Heimes an der Veranstaltung, insbesondere an der Abschlusstagung teilnehmen. „Heute gibt es weniger Tabus rund um die mentale Gesundheit“, begrüßt Xavier Thiéry. „Man hat weniger Angst, sich von einem Psychologen behandeln zu lassen, man erkennt, dass man sich helfen lassen kann, dass man sein Gleichgewicht wiederfinden kann. Dies kann auch über sportliche Aktivitäten, eine Ernährungsumstellung, eine neue Schlafhygiene erfolgen. Bei SERVIOR insbesondere wird das Personal geschult, um zuzuhören. Wir brauchen keine Generäle, sondern einfühlsame, qualifizierte Mitarbeiter, die dem Senioren helfen, seinen Alltag so zu gestalten, wie er das möchte. Covid-19 macht es uns nicht leichter! Die Krise wird Spuren hinterlassen. Einfache Schutzgesten fördern das Gefühl der Isolation. Die große Entwicklung im Vergleich zu vor zehn oder zwanzig Jahren, ist, dass unsere Bewohner nicht nur am Ende ihrer Lebensreise zu uns kommen, sondern um ihr hohes Alter vollends zu leben. Sie haben andere Erwartungen als den Tod! Es ist an uns, ihnen zu helfen, ihren Gesundheitszustand richtig einzuschätzen. Das ist die Grundlage für ihre Lebenslust.“

Informieren Sie sich online

Während rund 100 Interventionen im ganzen Land geplant waren, wird die Woche der mentalen Gesundheit eine Woche lang im Internet stattfinden, dies bis zum 10. Oktober, Datum des Internationalen Tags der mentalen Gesundheit. Es wird möglich sein, eine „Erste-Hilfe-Ausbildung im Bereich der mentalen Gesundheit“ zu absolvieren. Ein Wettbewerb wird in einem kurzen Video (maximal 3 Minuten) zeigen, dass die mentale Gesundheit uns alle betrifft und dass jeder von uns dazu beitragen kann, sie in unserer Gesellschaft zu fördern und zu verbessern. Der Wettbewerb, mit einem Preis von 1000 Euro, ist für alle offen und wird auf allen Medien (bis hin zum Smartphone) verfügbar sein. Nicht zu verpassen ist das Abschlusskonzert der Woche, am 10. Oktober.

https://www.semainesantementale.lu/

http://www.llhm.lu/