Rollentausch im SERVIOR-Haus „Op der Léier“ in Esch

Was passiert, wenn eine Ergotherapeutin den Kochlöffel schwingt, ein maître d’hôtel in der Pflege hospitiert und der Direktionsbeauftragte das „Essen auf Rädern“ austrägt? Diese Erfahrung machten diese Woche 17 Mitarbeiter aus dem SERVIOR-Haus „Op der Léier“ in Esch/Alzette, die für einen Arbeitstag in eine andere Rolle schlüpften.

Um die mannigfaltigen Arbeitsabläufe und Gesten der verschiedenen Berufsprofile innerhalb der SERVIOR-Familie besser verstehen zu können, hat sich das Cipa in Esch etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Rahmen einer „Semaine de bienveillance“, die zum ersten Mal organisiert wurde, konnten Mitarbeiter mit anderen Kollegen ihren Kittel tauschen.

Eine Schicht lang nicht nur die Kollegen zu beobachten, sondern sich in die Haut des Anderen zu versetzen und tatkräftig Hand anzulegen, ist eine wahre Bereicherung. „Durch diese Erfahrung weiten wir unseren Blick und bekommen so ein anderes Bild unserer Berufskollegen, wenn wir für kurze Zeit ihre Arbeit verrichten“, so Marco Duarte, „coordinateur administratif“ des Escher SERVIOR-Hauses.

Dass diese Aufgabe kein leichtes Unterfangen ist, durfte auch Direktionsbeauftragter Claude Gerin erfahren, den wir zunächst bei der Auslieferung der Menüs im Rahmen des Unterstützungsdienstes „Essen auf Rädern“ antreffen.

Nicht nur das Jonglieren der in speziell hermetisch verpackten Menü-Boxen, sondern die ganze Bandbreite der Abläufe – vom Beladen des Autos bis zur Aushändigung an den Kunden in der Wohnung – sei beeindruckend, gesteht Claude Gerin. Auch das Verpacken der frisch zubereiteten Gerichte sei herausfordernd, werden doch in 90 Minuten nicht weniger als 400 Menüs auf Porzellanteller angerichtet und hygienisch verpackt. „D’Fliissband an der Cabane vun der Kichen ass eng Erausfuerderung well d’Vitesse vum Band de Rhythmus bestëmmt. Wou ech iwwerfuerdert war, dat war wann ech den Deckel hu missen ob den Teller maachen an d’Iessbox hermetesch zoumaachen“, so der Direktionsbeauftragte, der – wie seine Mitarbeiter – den Perspektivwechsel als sehr positiv bewertete.

Nach seiner Tour an der Seite eines Fahrers vom Unterstützungsdienst „Essen auf Rädern“ zeigte sich ein Erzieher über das Erlebte beeindruckt. Zwei Mitarbeiter aus der Pflege und Betreuung hatten ihre blauen Kittel gegen den Küchenkittel getauscht, derweil maître d’hôtel Donald Del Mestre seinen Kunden ausnahmsweise nicht nur exklusiv während den Essenszeiten begegnen durfte sondern auch im blauen Pfleger-Outfit eine gute Figur machte. Im Restaurant wurden die Senioren von Carine Bleser, „chef de service Pflege und Betreuung“, bedient während eine Pflegekraft in die Animation wechselte. Und die „chef de service ménage“ Marie-Thérèse Testa wollte ebenfalls wissen wie ein Tag im Leben einer Pflegerin aussieht.

Am Ende eines arbeitsintensiven Tages kamen alle zur Erkenntnis, dass es nicht so einfach ist, die Rolle eines anderen zu übernehmen. Ungeahnte Einblicke durften die Teilnehmer erleben, die ihren Berufskollegen Respekt für die jeweiligen Aufgabenbereiche zollten.

Bestärkt durch die positiven Erfahrungen möchte die Leitung des SERVIOR-Hauses „Op der Léier“ die Aktionswoche nächstes Jahr wiederholen und ausweiten.

Das öffentlich-rechtliche Unternehmen SERVIOR beschäftigt über 1850 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte im Pflegebereich.