Trommeln mit der Leihomi

Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn die Kinder kommen, erwacht in den Gesichtern etlicher Senioren ein milder und wohlwollender Ausdruck. Gepaart mit einem sanften Lächeln, wie Eltern es bevorzugt ihren Kindern schenken. In diesem Fall bilden die Kinder eine Linie und begrüßen reihum die alten Damen und Herren. Ein Händedruck, ein gegenseitiges kurzes Anschauen. Dann ziehen sie weiter zum nächsten Händeschütteln. Singen und tanzen dabei. Viele Kinder lachen. Ein „Mir gehört die Welt-Lachen“. Oder ein ganz leises, zögerliches Lachen. Die Stimmung ist gut. Aus dem Lautsprecher kommt Musik.

„Wer will zuerst trommeln?“ „Ich, ich, ich.“ Mithilfe der Verantwortlichen werden zwei Gruppen gebildet. Die eine trommelt und singt, die andere schaut zu. Anschließend wird gewechselt. Wir sind in Echternach, auf der Terrasse des Pflegeheims Am Schleeschen. In zwei Tagen beginnen die Sommerferien. Die Vorschulkinder aus der Klasse von Jaime Baião, Véronique François und Carina Da Rocha Ribeiro besuchen, für dieses Schuljahr zum letzten Mal, die Bewohner aus der Senioreneinrichtung. Dem Anlass entsprechend, geben sie ein kleines Abschlusskonzert.

Es ist keine Zurschaustellung der Kinder oder der alten Menschen. Man kennt sich. Man hat schon gemeinsam Weihnachtsschmuck gebastelt, Ostereier bemalt, Kuchen gegessen. Und getrommelt. Viel getrommelt. Jeden zweiten Mittwoch. Die SERVIOR-Betreuerin Christa Mayer hat die Trommelpartituren an die Kinder im Vorschulalter und an die Senioren angepasst. Als Basis diente das ehemalige Projekt Joy Caravan der Fondation EME unter der Leitung von Robert Bodja. „Es würde mich freuen, wenn durch das gemeinsame Musizieren bei dem einen oder anderen Kind das Interesse für die Musik, das Erlernen eines Instrumentes oder sogar das Spielen in einem Orchester geweckt würde“, so Christa Mayer. Und wenn die Kinder ihren natürlichen Umgang mit den alten Menschen bewahren würden. Noch sind die Kinder unbefangen und frei in ihrem Verhalten. Einige haben unter den trommelnden Senioren sogar eine Leihomi gefunden. Frau Dostert, von den Kindern liebevoll Bomi Dostert genannt, wohnt nicht im hiesigen Seniorenheim. Sie kommt aber regelmäßig mit viel Freude zu den Trommelateliers. Einige richtige Bewohner des Schleeschen trommeln auch. „Es sind nicht sehr viele aktive Trommler in der Gruppe. Jeder so wie er es mag. Die meisten erfreuen sich nur am Zuhören und Dabeisein. Und an der Lebensfreude der Kinder.“

Intergenerative Begegnungen sind wichtig. Vor allem in einer Zeit, wo Kontakte zwischen jungen und alten Menschen in unserem Alltag nicht mehr selbstverständlich sind. Die Älteren genießen die Treffen mit den ihnen nachfolgenden Generationen. Sie sind ein Teil davon und stehen nicht am Rande der Gesellschaft. Die Jüngeren erfahren Aufmerksamkeit und positive Zuwendung. Nebenbei erlernen sie, dass Alter, Krankheit, Pflege und Tod zum Leben dazugehören.

In der Echternacher Millermoaler Schull wurde vor einigen Jahren ein Nachfolgelehrer für das intergenerative Projekt gesucht. Die bisherige Verantwortliche war in den Ruhestand getreten. Damals war für Jaime Baião schnell klar: „Ich mache das. Früher habe ich bei meinen Großeltern gesehen, wie bedeutsam ein solcher Austausch ist. Ich will das weitergeben.“

Pressespiegel
Trommeln mit der Leihomi (PDF, Luxemburger Wort, 08.09.2018)

Über SERVIOR
Mit 1650 Betten ist SERVIOR der größte Betreiber von Wohnstrukturen für ältere Menschen in Luxemburg. Derzeit verwaltet SERVIOR 15 Einrichtungen, darunter 8 Altenheime, 6 Pflegeheime und 1 Seniorenresidenz. Außerdem bietet SERVIOR regelmäßig 650 Menschen in 29 verschiedenen Gemeinden Essen auf Rädern an und betreibt eine Tagesstätte für Senioren. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen beschäftigt über 1850 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte im Pflegebereich.

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