Finny Cazzaros zweiter Streich: Das Buch „Licht und Schatten“ wurde in Esch vorgestellt

Gestern (6.6.2018) hat die 99-jährige Finny Cazzaro ihren zweiten Roman „Licht und Schatten“ im Escher Seniorenheim* Op der Léier vorgestellt. Wenn Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank gefallen ist, dann hat Finny in ihrer Kindheit aus dem Jungbrunnen getrunken. Denn seit ihrem offiziellen Autorendebüt vor drei Jahren hat die alte Dame wahrlich nichts an Esprit und Spritzigkeit verloren. Auch gestern vermochte es die fast Hundertjährige, ihr Publikum mit ihrer Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit in den Bann zu ziehen. Um 15 Uhr 30 erschien sie frisch und ausgeruht auf der Bühne des Festsaals, antwortete geistreich und schlagfertig auf die ihr gestellten Fragen, schrieb nach der Präsentation eine Stunde lang Autogramme und posierte zwischendurch immer wieder gekonnt vor den Kameras. Hin und wieder sah man sie lächeln. Ein vollkommenes, inneres und in sich ruhendes Lächeln. „Spätes Glück ist besonders schön“, wie sie sagt. Finny Cazzaro ist eine Ausnahmeerscheinung. Eine Frau, die mit fast 100, mitten im Leben steht. Eine Frau, die im Licht und im Jetzt lebt, sehr wohl aber auch die Schattenseiten kennt. So wie Liss, eine ihrer Romanfiguren.

Finny Cazzaros zweites Buch ist gerade wie ihr Erstlingswerk Bonz ënnen, Bonz uewen ein Kriminalroman fernab von jeder Schaukelstuhlromantik aus der guten alten Zeit. Im Mittelpunkt stehen dieses Mal zwei Familien, dessen Geschichten durch ihre Kinder Liss und Jacques untrennbar und schicksalhaft miteinander verbunden sind. Im gesamten Romanverlauf spielt Vic, Hotelbesitzer und Großvater von Liss, eine ganz wesentliche Rolle. Er ist ein Tausendsassa und heimlicher Strippenzieher, mit viel Geld und noch mehr Herz. Im Laufe des Romans reift Vic zum alten Herrn, keineswegs aber zum alten Eisen…

Mit „Licht und Schatten“ ist Finny Cazzaro ein spannender und kluger Roman gelungen. Ein Büchlein voller Wirrungen, Haupt- und Nebensträngen mit genau der richtigen Dosis an Lebensweisheiten, damit es nicht überladen und aufgesetzt wirkt. Beim Lesen muss man zuweilen zurückblättern, um den Faden wiederzufinden und die episodenhaften Aneinanderreihungen richtig einzuordnen. Aber vielleicht gerade deshalb ist das Buch auch ein Spiegelbild seiner Autorin, die von Worten und Gedanken überschäumt und die mit unbändiger Leidenschaft und Überzeugung über Freundschaft, Liebe und Familie schreibt. Und darüber, wie viel Glück und Eigeninitiative es braucht, um sein Leben im Licht zu leben.

Es ist aber ebenso ein Roman einer Frau, die mit ihrem Leben unendlich im Einklang zu sein scheint. Genauso wie ihre Romanfigur „Opa“, dessen Lieblingslied, sie nochmals auf der letzten Seite erklingen lässt: Non, je ne regrette rien.

Und Finny Cazzaro schreibt auch mit 99 unermüdlich weiter. Ihr drittes Buch ist in Arbeit und soll zu ihrem hundertsten Geburtstag erscheinen. „Ihr müsst mir die Daumen drücken, dass ich das noch erlebe“, fordert die alte Dame zum Ende der Vorstellung noch einmal ihr Publikum auf. Man wünscht es ihr so sehr. Und uns allen auch.

Das Buch „Licht und Schatten“, herausgegeben von SERVIOR, erhält man für 11 Euro in ausgewählten SERVIOR-Häusern. Mehr Informationen über die Verkaufsstellen erfährt man unter diesem Link.

* Finny Cazzaro lebt und schreibt in diesem Seniorenheim. Die Buchvorstellung wurde von dem Direktionsbeauftragten  Claude Gerin moderiert, Karim Gerin las aus dem Roman.

Pressespiegel
Ich schreibe so schnell wie ich rede (PDF, Tageblatt, 7. Juni 2018)
Der Roman von Finny Cazzaro ab heute in den Servior-Häusern erhältlich (journal.lu, 7. Juni 2018)
Nei um Bichermaart: Licht und Schatten (rtl.lu, 8. Juni 2018)

Über die Autorin
Joséphine Cazzaro, genannt Finny, wurde am 1. Juni 1919 als Tochter einer italienischen Mutter und eines luxemburgischen Vaters geboren. « An einem Sonntag », wie sie gerne betont. Nach der Grundschule machte sie im Hutgeschäft ihrer Tante eine Ausbildung zur Modistin. Sie arbeitete zuerst sieben Jahre als „Première modiste“ in einem Modehaus in Luxemburg-Stadt. Es folgten weitere sieben Berufsjahre in einem renommierten Escher Damenhutgeschäft. Während dieser Zeit legte sie auch die Meisterprüfung ab, entschloss sich dann aber, sich ihrer Familie zu widmen.

2008 zog Finny Cazzaro ins Escher Seniorenheim „Op der Léier“. Ganz nach dem Motto « Mit 89 ist noch lange nicht Schluss » begann sie wieder Hüte für die Katherinettenfeier im Seniorenheim anzufertigen und sie fing an zu schreiben: Gedichte, Kurzgeschichten und ihre Autobiographie. Im Alter von 96 Jahren veröffentlichte sie ihr Erstlingswerk « Bonz ënnen, Bonz uewen ». Mit nunmehr 99 hat sie ihren zweiten Roman « Licht und Schatten » verfasst. Ihr drittes Buch ist für 2019 geplant.

Über SERVIOR
Mit 1650 Betten ist SERVIOR der größte Betreiber von Wohnstrukturen für ältere Menschen in Luxemburg. Derzeit verwaltet SERVIOR 15 Einrichtungen, darunter 8 Altenheime, 6 Pflegeheime und 1 Seniorenresidenz. Außerdem bietet SERVIOR regelmäßig 650 Menschen in 28 verschiedenen Gemeinden Essen auf Rädern an und betreibt eine Tagesstätte für Senioren. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen beschäftigt über 1850 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte im Pflegebereich.