Op der Rhum: Ein Blick hinter die Kulissen des Logistikzentrums

Sie planen, transportieren, be- und entladen, lagern, sortieren, ver- und entpacken, verteilen, sammeln wieder ein… Das Prinzip ist immer das gleiche: Was rein kommt muss auch wieder raus. Oder wird verbraucht. Sie steuern die gesamte Lieferkette und sorgen tagtäglich dafür, dass die passenden Waren zu den passenden Nutznießern in den verschiedenen Seniorenwohnzentren von SERVIOR kommen. Ihr Arbeitsplatz ist größtenteils das Untergeschoss des Seniorenwohnzentrums Op der Rhum: eine Ladebrücke für Lkws sowie ein 420 meterlanger Tunnel mit unzähligen Lagern und den vielen Zugängen zu den einzelnen Wohnpavillons.

Sie sind die Logistiker des Seniorenheims Op der Rhum. Sie sind Kujtim Avdija, Christian Bock, Michel Geschwindt, Rui Gomes, Christian Macedo und Fernand Ribero. Daniel Edouardo hat ihr Team während den letzten sechs Monaten verstärkt.

Das Seniorenwohnzentrum Op der Rhum ist mit rund 180 Bewohnern und 200 Mitarbeitern das zweitgrößte CIPA der SERVIOR-Gruppe. Nur das Haus in Düdelingen ist größer. Was das Rhummer Haus aber von allen anderen unterscheidet, ist seine pavillonäre Struktur. Auf dem ursprünglichen Kasernengelände verteilen sich heute sieben unabhängige Wohnpavillons für ältere Menschen sowie Gebäulichkeiten für die Verwaltung und die Generaldirektion von SERVIOR. Auch wenn das Gelände nicht autofrei ist – Mitarbeiter und Besucher dürfen hier parken – Lastkraftwagen sieht man keine auf der Anlage. Die Lkws müssen kurz vor dem Jakobsturm links abbiegen und in eine Art Tiefgarage mit einer Ladebrücke (quai de livraison) hineinfahren. Dort werden sie von den diensthabenden Logistikern empfangen. Das Untergeschoss mit dem angeschlossenen Tunnelsystem ist die Versorgungsader des Wohnzentrums; es ist der Umschlagplatz für sämtliche Waren, die in den verschiedenen Pavillons und in der Verwaltung gebraucht werden.

Koordinator und Wächter dieser Unterwelt ist Rui Gomes, seit 2012 Chef de service Technique Op der Rhum und somit auch verantwortlich für die Logistik. Rui Gomes hat den Aufbau des Logistikzentrums und die Arbeitsabläufe mitgeplant und durchdacht. „Ohne Methode und Kommunikation würde das bloße Chaos herrschen“. Sein Markenzeichen ist das Telefon. Immer auf Abruf und stets auf den Beinen. Über 20 km können an sehr intensiven Tagen schon mal zusammenkommen. Und dabei ist er nicht allein. Sein Team besteht aus fünf Mitarbeitern, wo jeder seinen speziellen Bereich abdeckt und doch jeder vielseitig einsetzbar ist.

Die Arbeitswoche der fünf Logistiker ist minutiös durchgetaktet. Schichtbeginn ist um 7 Uhr in der Frühe. Die erste Schicht arbeitet bis 16 Uhr, die zweite Schicht von 11 bis 20 Uhr. 365 Tage im Jahr. Für jeden Tag gibt es einen eigenen Arbeitsplan. Viele Arbeitsschritte sind täglich zu verrichten, einige davon mehrfach. Andere Vorgänge werden nur punktuell durchgeführt.

Los geht es immer um 7 Uhr mit der Zeitungauslieferung an die Rezeption. Die Kunden wollen ja schließlich pünktlich ihre Lektüre in Empfang nehmen. Gleichzeitig beginnt die Auslieferung des Frühstücks. Op der Rhum gibt es nämlich nicht nur zwei Hauptrestaurants sondern auch noch drei kleinere Restaurants. Die gekühlten Tablettwagen werden mit einer speziell angefertigten Zugmaschine zu den Pavillons gefahren und in die Essstuben gebracht. Zurück geht es mit dem Leergut.

Anschließend – es ist 8 Uhr – werden die Behältnisse der Wasserspender in den Wohnpavillons überprüft und gegebenenfalls aufgefüllt. Dann steht die Reinigung der grünen Müllcontainer an. „Abfall und Recycling spielt überhaupt eine große Rolle. Papier, Plastik, Biomüll, Restmüll, Gefahrenmüll… Alles muss sorgfältig gesammelt, getrennt und zwischengelagert werden. Der Biomüll muss gekühlt, der Gefahrenmüll weggesperrt werden. Vom administrativen Aufwand, der durch die Abfallvermeidungsprogramme und die Abfallbilanzen entsteht, gar nicht zu reden“.

Gegen 9 Uhr 30 beginnt die erste Wäschetour. In einem Seniorenheim fallen Berge von Wäsche an, die verteilt und eingesammelt werden müssen: Tischwäsche, Bettwäsche, Frottee, Bewohnerwäsche, Arbeitskleidung… Und alles bitte schön säuberlich nach „sale“ und „propre“ getrennt. Anders gesagt: Die Schmutzwäsche darf nicht mit der sauberen Wäsche in Verbindung kommen. Somit gibt es in jedem Pavillon einen Abstellraum für die saubere und einen Abstellraum für die schmutzige Wäsche. Externe Firmen übernehmen das Reinigen der Wäsche.

Inzwischen ist es 11 Uhr. Höchste Zeit, das Mittagessen in die kleineren Restaurants zu liefern. Wieder wird die Zugmaschine gefüllt und die Umrundung des Tunnels beginnt von Neuem.

Nachmittags und abends wiederholen sich nochmals viele Abläufe: Wasserspender auffüllen, Müll einsammeln und zum Abtransport vorbereiten, Wäsche einsammeln und austeilen, die Zugmaschine mit dem Essen und dem gebrauchten Geschirr be- und entladen, Wartungsarbeiten, Reinigungsarbeiten… Und täglich grüßt das Murmeltier!

Dazwischen werden immer wieder Lieferungen angenommen: Esswaren, Getränke, Inkontinenzmaterial, Wäsche, Büromaterial, medizinisches Material. Für einige Waren gibt es kleine Pufferlager, damit es nicht zu einem Versorgungsstau kommt. Trotzdem müssen die verschiedenen Chef de service den tatsächlichen Verbrauch stets wachsam verfolgen, um rechtzeitig Nachschub zu ordern. Hier sind die Bestellscheine das A und O. Jeder Auftrag muss als Kopie an das Logistikzentrum gehen. „Ansonsten steht hier unten ein LKW mit einer Lieferung und wir wissen nicht, für wen sie ist“.

Nach der Zustellung folgt das Entpacken, Sortieren, Kontrollieren und das sachgerechte Einlagern der Waren. Dies ist auch oft ein fachübergreifender Prozess. Lebensmittel dürfen nach dem Entladen nur von Küchenmitarbeitern gehändelt werden, gewisses medizinisches Material nur von Pflegern. Die Bewohnerwäsche wird von den Logistikern von A nach B gebracht aber von den Haushaltsmitarbeitern in die Schränke eingeräumt. Es ist wie in einem Bienenstock, wo jeder sein Aufgabenbereich hat und ohne Zusammenarbeit alles zusammenfällt. „Ich kann mich zudem immer auf Oli verlassen“. Olivier Pfeiffer ist Chef de département der Hauswirtschaft.

Manchmal wird es doch chaotisch. Wenn einer der 17 Aufzüge ausfällt, wenn ein Lieferant sich nicht an den Termin hält, wenn plötzlich drei Lkws zusammen abladen wollen, wenn Bestellscheine unauffindbar sind, wenn technische Probleme auftauchen…

In diesen Fällen werden die Logistiker zu Krisenmanagern. Dann laufen sie noch schneller als sonst, damit das richtige Produkt, im richtigen Zustand, zur rechten Zeit und am rechten Ort ankommt.


Text: Sophie Thomé, SERVIOR
Fotos: Candy Jacoby, SERVIOR

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen im Magazin RESPEKT, der Mitarbeiterzeitung von SERVIOR.
(Winter 2017)