Plötzlich alt: Jugendliche im Selbstversuch

Einmal alt sein und zurück. Rund 25 Jugendliche aus dem Junglinster Lyzeum haben sich kürzlich auf dieses Experiment eingelassen. Anlass ist ein anstehendes Fotoprojekt in der Echternacher Seniorenresidenz Belle-Vue. Hier sollen die Flure durch selbstgemachte Fotos der Schüler attraktiver werden und die Orientierung der Bewohner unterstützen. Doch wie sieht ein älterer Mensch sein Umfeld? Wie nimmt er Farben wahr? Wie erlebt er Formen? Was erkennt er, was nicht? Das haben die Teenager bei einem Selbstversuch am eigenen Leib erfahren. Fazit der jungen Leute: „Voll krass!“

Sabrina ist die Erste, die in den Alterssimulationsanzug schlüpft. Hierfür legt sie Knie- und Ellenbogenmanschetten an und streift einen Overall über. Dieser ist mit Gewichten beschwert. Handschuhe, ein Helm mit gelb eingefärbtem Sichtfenster und Ohrenschützer gehören ebenfalls zur Ausstattung. Nun soll die junge Frau das Seniorenheim erkunden. Auf der Treppe wird sie sofort von ihren Mitschülern überholt. Sabrinas Gang ist schwerfällig und langsam. Derweil ist Kevin im Rollstuhl unterwegs. Auch wenn der Spaßfaktor überwiegt, fallen ihm viele Sachen auf. Er kann das Plakat an der Wand nur bedingt lesen und die Farben erscheinen ihm stark verändert. Draußen schiebt eine Mitarbeiterin den Teenager durch den Vorhof. Die Sonne scheint und Kevin blinzelt. Durch die Spezialbrille hat seine Blendeempfindlichkeit deutlich zugenommen.

Wieder zurück in der Seniorenresidenz, befindet sich die Schülergruppe nun in einem Zimmerflur. Bei jeder Tür ist ein Täfelchen angebracht, mit dem Namen und der Zimmernummer des Bewohners. Was aber, wenn der Bewohner den Zugang zu der Welt der Buchstaben und der Ziffern verloren hat? Wie soll er sich dann noch zurechtfinden? „Auf der Gefühlsebene kann man die alten Menschen noch sehr lange erreichen“, erläutern Pascale Spanier und Geneviève Muller. Sie sind Weiterbildnerinnen bei SERVIOR, einem großen Betreiber von Wohneinrichtungen für Senioren in Luxemburg. Auch die Belle-Vue gehört zur SERVIOR-Gruppe. „Und die Fotos, die ihr machen werdet, sollen ein wohliges Gefühl bei unseren Bewohnern auslösen.“

Was genau auf den Fotos zu sehen sein wird, ist noch nicht ganz klar. Naturmotive stehen ganz oben auf der Vorschlagsliste. Man darf auf jeden Fall gespannt auf das Ergebnis sein. Einfach ist die Aufgabenstellung allemal nicht. Die Schüler werden beim Fotoprojekt von ihren Lehrerinnen Jennifer Braun, Liz Rodesch und Myriam Bouchon begleitet. Seitens der Belle-Vue wird ihnen der Direktionsbeauftragte Raphaël Schmitz mit seinem Team weiterhin zur Verfügung stehen.

Pressespiegel
Jugendliche im Selbstversuch: „Voll krass“  (PDF, Luxemburger Wort, 28.03.2017)
Mit den Augen eines 80-Jährigen (PDF, Luxemburger Wort, 30.03.2017)
Plötzlich alt (PDF, Tageblatt, 20.04.2017)

Lesen Sie auch
Age Explorer oder alt sein auf Probe (07/2013, servior.lu)

Über SERVIOR
Mit 1650 Betten ist SERVIOR der größte Betreiber von Wohnstrukturen für ältere Menschen in Luxemburg. Derzeit verwaltet SERVIOR 15 Einrichtungen, darunter 8 Altenheime, 6 Pflegeheime und 1 Seniorenresidenz. Außerdem bietet SERVIOR regelmäßig 650 Menschen in 26 verschiedenen Gemeinden Essen auf Rädern an und betreibt eine Tagesstätte für Senioren. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen beschäftigt über 1750 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte im Pflegebereich.