Age Explorer oder alt sein auf Probe

Was ist nur los im Seniorenheim von Niederkorn? Durch die Gänge schlurft eine seltsam anmutende Gestalt in einem astronautenähnlichen Anzug, steigt beschwerlich die Treppen hinauf und setzt sich, sichtlich erschöpft, auf einen Stuhl. Doch Entwarnung! Es sind weder Außerirdische noch Seuchenbekämpfer in Niederkorn. Es sind vielmehr SERVIOR-Mitarbeiter im Selbstversuch. Anlass ist eine sehr praxisorientierte Weiterbildung: Age Explorer® – Alt sein auf Probe.

Age Explorer®, das ist der Name des Spezialanzugs, verhilft einem sich alt zu fühlen und die Welt mit den Augen eines 80-Jährigen zu erfahren. Natürlich soll es nicht bei der Selbsterkenntnis bleiben. Die Fortbildung zielt darauf ab, bei den Mitarbeitern von SERVIOR, dem größten luxemburgischen Betreiber von Alters- und Pflegeheimen, etwaige Verhaltensveränderungen im Umgang mit den Senioren auszulösen: langsam und deutlich reden, gemächlich gehen, Kleingedrucktes vermeiden, Hilfestellung anbieten, Verständnis zeigen und sich in Geduld üben…

Damit es soweit kommen kann, muss der Proband mit dem „Age Explorer®“ Bekanntschaft machen. Hierfür legt der Mitarbeiter Knie- und Ellenbogenmanchetten an und streift einen mit Gewichten beschwerten Overall über. Handschuhe, ein Helm und Ohrenschützer gehören ebenfalls zur Ausstattung des Altersanzugs. Bereits das Anziehen wird zur Herausforderung. Anschließend stehen Aktivitäten aus dem täglichen Leben auf dem Plan: Essen, Trinken, Zeitunglesen, Spazierengehen. Der Proband sitzt am gedeckten Tisch und soll sich einen Tee aufgießen. Hinter ihm steht Pascale Spanier und mimt eine Pflegeperson: „Dir musst och nach Äer Häerzpëllen huelen“. „Wie bitte?“ Die Testperson hat nichts verstanden. „Äert Häerzmedikament, déi kleng schwaarz Pëllen“. Ungeschickt kramt der Proband mit klobigen Fingern in der Medikamentenschatulle. Beim Umblättern der Zeitung wird er hektisch und nervös. Die Seiten kleben aneinander und schließlich gibt die Testperson auf: „Außer den Titeln kann ich sowieso nichts lesen“.

Für die innerbetrieblichen Fortbildungen der SERVIOR-Mitarbeiter sind u.a. Pascale Spanier und Geneviève Müller, beide Krankenschwestern, zuständig. Sie setzten den Altersanzug regelmäßig bei ihren Schulungen ein. Pflege- und Servicekräfte aber auch administrative Mitarbeiter sollen am eigenen Körper erleben, was es heißt, wenn Beweglichkeit, Muskelkraft, Feinmotorik, Gehör und Sehstärke abnehmen und ihr Verhalten im Kontakt mit den Senioren dementsprechend angleichen. „Jeder reagiert anders auf den Anzug. Für die einen ist das eingeschränkte Sichtfeld und das veränderte Farbempfinden erschreckend, andere bemerken hauptsächlich den Mobilitätsverlust oder die verminderte Sauerstoffzufuhr, die durch den Helm hervorgerufen wird. Die körperliche Verfassung ist ausschlaggebend. Ein Sportler kann die Bewegungseinschränkungen besser ausgleichen als ein untrainierter Mensch.“ Entwickelt wurde der Alterssimulationsanzug vom Meyer-Hentschel Institut.

Die Age Explorer® Fortbildung ist nur eines der vielen Projekte des Fortbildungsplans von SERVIOR. 2012 lag das Fortbildungsbudget bei fast 1,5 Millionen Euro, geschult wurden etwa 39.000 Stunden.

Pressespiegel
De Reportage lauschteren (rtl.lu, 05/08/2013)
Kloertext : Für mehr Verständnis für Senioren (PDF, Lëtzbuerger Journal, 08/08/2013)

SERVIOR – Wer wir sind
Mit etwa 1600 Betten ist SERVIOR der größte Betreiber von Wohnstrukturen für ältere Menschen in Luxemburg. Derzeit verwaltet SERVIOR 15 Einrichtungen, darunter 8 Altenheime (CIPA), 6 Pflegeheime und 1 Seniorenresidenz. Außerdem bietet SERVIOR regelmäßig 400 Menschen in 20 verschiedenen Gemeinden Essen auf Rädern an. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen wurde durch das abgeänderte Gesetz vom 23. Dezember 1998 gegründet und beschäftigt heute rund 1600 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte im Pflegebereich.

Pressekontakt
SERVIOR
Sophie Thomé
61, rue Vauban
L-2663 Luxembourg
Tél: 46 70 13-2038

Fax: 46 70 13-2200
s.thome@servior.lu
www.servior.lu