80 Jahre Oktave: Alice Apel erinnert sich

Genau vor 80 Jahren pilgerte Alice Apel aus Blascheid  zum ersten Mal nach Luxemburg-Stadt in die Kathedrale zur Trösterin der Betrübten. Der Anlass – die Oktave – hat sich seitdem nicht geändert, die Umstände sehr wohl.

Alice war 1932 ein siebenjähriges Mädchen und pilgerte zusammen mir Ihrer Mutter. Bis nach Dummeldingen nahmen sie den Bus, dort stiegen sie in die Tram, die sie bis vor die Kathedrale brachte. Schon zwei Jahre später ging das junge Mädchen, genauso wie Ihre drei älteren Brüder, zu Fuß. Ausgestattet mit hohen genagelten Schuhen, kniehohen Strümpfen und einem Rock. „Molièren“ – also niedrige Schuhe – „krut ech réischt vill méi spéit“.

Die 14 Kilometer lange Strecke führte die Pilger von Blascheid nach Eisenborn und schließlich durch den Grengewald. Vor der Gruppe schritt der Priester, dicht gefolgt von mehreren Messdienern. Bei der Doudegen Fra packte jeder seine mitgebrachten Brote aus. Alice Apel erinnert sich noch genau: „Meng Bridder hunn ëmmer d’Gedrénks gedroen, giess hunn ech am léifsten eng Schmier mat enger Omelette drop.“

In Dummeldingen trafen mehrere Pilgergruppen zusammen und gemeinsam erstiegen sie den „Eecherbierg“. Auch hier wurde dazwischen immer wieder gebetet und gesungen.

In der Kathedrale angekommen, war Alice Apel überwältigt von den vielen Kreuzen, Statuen und Kerzen. „Ihr“ Priester hielt die Messe um 10 Uhr 30 in einem Seitenaltar ab; der Hauptaltar war für Bischof Nommesch reserviert.

Aber wenn der Bischof predigte, waren Alice und ihre Brüder schon meistens auf dem Oktavenmarkt. „Ee ganze Frang krut ech, dat war eppes! Et hat laang net jiddwereen ee Frang fir auszeginn.“

Anschließend gingen sie essen, jahrelang immer in dieselbe Wirtschaft über dem Passage, mit Blick über de Märtchen. Um 15 Uhr fuhr der Bus wieder nach Blascheid.

Heute sind die Sitze in den Bussen nicht mehr aus Holz, die Messen werden nicht mehr in Latein gehalten und die Buden auf dem Märtchen,  in denen Rosenkränze verkauft werden, sind weit seltener geworden.

Doch Frau Apel-Jegen pilgert immer noch!

Seit 6 Jahren wohnt Sie im SERVIOR CIPA in Bofferdingen. Im Vergleich zu früheren Zeiten, ist ihre Pilgergruppe größer geworden: 260 Pensionäre und 120 Begleiter aus 16 verschiedenen SERVIOR-Häusern. Den „Eisenkuch“ isst Sie nicht mehr auf dem Märtchen, sondern im CIPA Howald, wo sich nach der Andacht alle SERVIOR-Häuser treffen. Doch nicht alles ändert sich. Frau Apel ist neuerdings wieder mit dem Bus zur Wallfahrt unterwegs. Mit einem von den 24 Bussen, die SERVIOR bestellt hat.

Für Nichts auf der Welt würde Alice Apel auf die Oktave verzichten. Nur ein einziges Mal war Sie nicht dabei, in dem Jahr als Ihr Sohn zur Welt kam.